Endlich! Gutes.

von Thomas Hobein

„Es geht darum, die Region, in der man lebt, zu stärken.“

Der Hang zu Nahrungsmitteln liegt ihm im Blut. Bereits die Vorfahren von Thomas Hobein arbeiteten in der Lebensmittelbranche. So gründete der gelernte Designer nach Jahren der Agenturarbeit als Konzeptioner, Texter und strategischer Planer 2015 seinen Food Blog „Endlich! Gutes.“. Inspiration für seine Themen findet der Darmstädter auf seinen Streifzügen durch den Odenwald und an die Bergstraße. Dabei stößt der Blogger immer wieder auf Tierisches, Pflanzliches und allzu Menschliches und teilt seine Erfahrungen, Rezepte und Küchenexperimente mit seinen Followern. Heute folgt ihm mit 50.000 Seitenaufrufen eine große Fangemeinde – nicht zuletzt wegen seinen genialen Foto-Inspirationen.
„Echt hessisch“ entlockte Thomas Hobein seine nächsten Projekte, wie schwer es ist, in Coronazeiten die Themenvielfalt beizubehalten und seine Sichtweise zum Ernährungsverhalten in diesen Zeiten.

Welche Bedeutung hat der Name des Blogs „Endlich! Gutes.“?
Thomas Hobein (TH): Meine Intention bei der Gründung des Blogs war es, gute Lebensmittel mit gutem Design zu verbinden. Daraus entstand die Namens-Idee „Endlich! Gutes.“. Das ist so eine Art Seufzer: endlich Gutes! Und dann ist alles Gute auch endlich. Die guten Lebensmittel gehen irgendwann zu Ende. Zum Beispiel, wenn der Wein eines guten Jahrgangs ausgetrunken ist, wird es diesen selben Wein nie wieder geben. Deshalb ist auch die Verbindung von „endlich“ und etwas „Gutem“ der Nachhaltigkeitsgedanke bei meinem Blog.

Warum haben Sie sich bei Ihren Recherchen auf das südliche Hessen spezialisiert?
TH: Das liegt daran, dass ich die Region, als ich nach Darmstadt gezogen bin, gar nicht so richtig kannte. Und da ich gerne esse, trinke und viel koche, wollte ich Land, Leute und alles, was mit Ernährung zu tun hat, hier genauer kennenlernen und darüber berichten. Das war zu Anfang gar nicht so einfach, weil die Bauern zum Beispiel dachten, der Artikel kostet sie etwas. Heute muss ich nicht mehr erklären, was ich mache und renne offene Türen ein. So habe ich inzwischen mein Arbeitsgebiet von Darmstadt bis Heidelberg ausgedehnt. Meine Intention ist es, diese Region bekannter zu machen.

Welche Inhalte kommunizieren Sie über Ihren Blog?
TH: Neben den Besuchen bei den Lebensmittelbetrieben in der Region gehören auch immer wieder Rezepte zum Konzept. Letztere sind in den vergangenen Monaten coronabedingt etwas mehr geworden. Meine Gespräche mit den Betrieben beschränken sich zurzeit leider auf Telefoninterviews. Ich möchte die Gewichtung der Themen aber auf jeden Fall wieder verändern. So plane ich als nächstes einen Artikel über „Kaltwassers Wohnzimmer“. Das ist ein Gastronomiebetrieb in Zwingenberg, mit dem ich ein paar Projekte für meinen Blog zusammen machen werde. Unter anderem planen wir, gemeinsam zu kochen.

Sie legen einen Schwerpunkt Ihrer Themen auf Ihre Küchenkreationen?
TH: Ja, ich koche nicht nur gerne, sondern habe auch vor Jahren ein Kochbuch geschrieben. Dieses ist mit dem Red Dot Design Award und dem German Design Award ausgezeichnet worden. Kochen ist meine Leidenschaft, die ich mit anderen teilen möchte. Ich entwickele aber auch hin und wieder Produkte für meine Kooperationspartner in der Region. So habe ich unter anderem die Idee einer regionalen Weinschorle namens „Inselperle“ entwickelt, die aus dem Wein der Odenwälder Winzergenossenschaft und dem Quellwasser der Privatbrauerei Schmucker in Mossautal besteht.

Welche Sichtweise haben Sie zu den Themen Landwirtschaft, Ernährung und Regionalität in Zeiten von Corona?
TH: Die Leute, die im ländlichen Raum leben, haben eine bessere Möglichkeit, auf hochwertige Lebensmittel zu zugreifen als wir Städter. Es gibt in Darmstadt nur noch zwei oder drei eigenständige Metzgereien, glaube ich. Und wir haben 160.000 Einwohner. In meinem nächsten Artikel werden Sie lesen, dass während der Corona-Hochzeit die Hefeklötzchen genauso begehrt waren wie das Toilettenpapier. Die Leute haben angefangen Brot zu backen! Einige Menschen haben diese Zeit genutzt, sich wieder mehr auf die Qualität und Herkunft der Lebensmittel zu besinnen. Auf der anderen Seite darf man nicht übersehen, dass gute Lebensmittel auch ihren Preis haben, den sich nicht jeder leisten kann. Ich denke, Corona wirkt sich entschleunigend auf die Globalisierung aus, da greifen die Leute schon mehr auf regionale Produkte zurück, was ich befürworte. Dennoch denke ich, dass die Menschen, die ihr Fleisch von Tönnies kaufen, dies auch weiterhin tun werden. Viele lassen sich halt einfach ausschließlich vom Preis beeinflussen, auch wenn sie es nicht wahr haben möchten.

Wie würden Sie „regional“ definieren?
TH: Regional hat damit zu tun, dass man dichter an der Haustür arbeitet. So ist für mich als Darmstädter ein Wein aus der Pfalz nicht mehr regional. Das beste Beispiel für gelebte Regionalität ist für mich der Metzgerbetrieb von Steffen Ulrich aus Bad König. Er bezieht seine Tiere aus der Region, im Umkreis von 40 Kilometer. Das finde ich ein sehr gutes regionales Konzept. Es geht nicht nur darum, bei den Tieren lange Transportwege zu vermeiden, sondern auch darum, die Region, in der man lebt, zu stärken, indem man die Strukturen erhält bzw. wieder aufleben lässt. Es kommt darauf an, dass Qualität verkauft wird. Die Leute auf dem Land haben den Vorteil, sie können schauen, was der Bauer aus der Nachbarschaft auf sein Feld kippt und dann entscheiden, was für sie gut ist. Als Städter ist man eher auf das Laden-Angebot vor Ort angewiesen.

Herr Hobein, vielen Dank für das Interview.